Porträt René Streitenbürger

Portrait: René Streitenbürger

Was sind das für junge Männer, die im Borromaeum wohnen und sich auf das Priesteramt vorbereiten? Einen kleinen Einblick in ihr Leben sollen die Kurzportraits geben, in denen sich jeweils ein Priesterkandidat vorstellt.

 

Wie hast du deine Berufung entdeckt?

Meine Berufungsgeschichte war immer schon eine Geschichte von Vorbildern, die mir den Glauben vorgelebt haben. Man kann sagen, es gab in meinem Leben immer schon Menschen, die mich mit der Liebe Gottes angesteckt haben. Mein leider schon verstorbener Heimatpfarrer hat auf meinem Weg eine besondere Rolle gespielt. Er hat mich schon als ich 17 Jahre alt war gefragt, obich nicht Priester werden wolle. Damals kamen mir die Herausforderungen des Priesteramtes viel zu groß vor. Er hat es geschafft, die Frohe Botschaft des Evangeliums stets vorbildhaft zu leben, ohne aufdringlich zu sein. Das hat mich begeistert. Immer wieder sagten aber Freunde zu mir, dass ich irgendwann einmal Priester würde. Viele meinten, ich hätte dafür eine Art Ausstrahlung. Außerdem war ich schon immer kirchlich engagiert: Im Pfarrgemeinderat meiner Heimatpfarre, im Jugendliturgiekreis, als Leiter und Vorsitzender in einem Pfadfinderstamm der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg und als Verantwortlicher für die Homepage unserer Pfarrgemeinde. Mein Abitur habe ich auf einer Ordensschule der Spiritaner gemacht. Die Themen Kirche, Glauben und Gemeinschaft umzingelten mich auf vielfältige Art und Weise. Irgendwann habe ich dann gespürt, dass es vernünftig und richtig ist, sich auf den Weg der Priesterausbildung zu begeben. 

Welche Bedeutung hat das Priesteramt in der heutigen Zeit für die Gesellschaft? Warum möchtest du Priester werden?

Unsere heutige Gesellschaft ist sehr schnelllebig und hoch individualisiert. Ich denke, dass es in den letzten Jahren viele Entwicklungen gab, die dazu führen, dass die Menschen sich wieder nach Entschleunigung, Ruhe und Sinn im Leben sehnen. Das merkt man unter anderem am Boom der Esoterik- und Wellnessliteratur in den Buchhandlungen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist meiner Meinung nach eine tief im Menschen angelegte Frage. Es ist schade, dass viele Menschen den Anschluss an Gott verloren haben. Die Frohe Botschaft des Evangeliums hat so viel zu bieten. Auch für uns heute in einer sehr fortschrittlichen und modernen Gesellschaft hält sie wunderbare Botschaften bereit. Jesus, der immer wieder an die Ränder der Gesellschaft gegangen ist und die Armen und Kranken selig gepriesen hat. Er hat uns den Grundsatz mitgegeben „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“.

Diese Liebe Gottes, die mit Jesus Christus in der Welt sichtbar geworden ist, möchte ich gerne weitergeben. Und ich denke da liegt die Aufgabe für Priester in der heutigen Zeit. Viele Menschen haben trotz tiefer Sehnsucht nach einem Sinn im Leben die Verbindung zu Jesus Christus verloren. Priester müssen gemeinsam mit guten Teams und den Menschen in ihren Gemeinden diese Verbindung wieder herstellen. Ziel muss es sein, dass die Menschen wieder einen Draht zu Jesus und Gott bekommen. Das setzt voraus, dass Priester gut hinhören und hinsehen können, in welche Situation sie gestellt sind. Gemeinsam mit den Frauen und Männern im pastoralen Dienst sollten sie Ideen entwickeln können, wie Jesus auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts im Leben der Menschen wieder im Mittelpunkt stehen kann.

Besonders deutlich wird die Liebe Gottes in den Sakramenten, wie z.B. der Eucharistie, der Taufe, der Firmung, der Krankensalbung oder der Ehe. Diese Sakramente werden von den Priestern gespendet und in ihnen wird besonders deutlich, was Gott mit uns Menschen im Sinn hat. Priester in der heutigen Zeit müssen also die Liebe Gottes, die Frohe Botschaft Jesus Christi zu den Menschen transportieren können. Dies geschieht in den Sakramenten, aber auch auf unzählige andere Wege. Priester sollten heute also Fachmänner der Kommunikation sein. Weil ich dies alles für besonders spannend und herausfordernd halte und die Liebe Gottes zu den Menschen transportieren möchte, möchte ich gerne Priester werden. 

Was machst du in deiner Freizeit?

In meiner Freizeit treffe ich unheimlich gerne Freunde und meine Familie. Sehr viel Zeit verbringe ich in der Natur bei ausgedehnten Spaziergängen. Im Grunde bin ich aber ein Stadtkind und die Stadt New York hat es mir besonders angetan. Dorthin und auch an andere Orte verreise ich, wenn es die Zeit einmal zulässt. Außerdem schaue ich gerne mal Filme und vor allem Serien.