Porträt Kristian Pohlmann

Portrait: Kristian Pohlmann

Was sind das für junge Männer, die im Borromaeum wohnen und sich auf das Priesteramt vorbereiten? Einen kleinen Einblick in ihr Leben sollen die Kurzportraits geben, in denen sich jeweils ein Priesterkandidat vorstellt.

Welche heilige oder lebende Person inspiriert dich?
Mit großer Bewunderung blicke ich persönlich immer wieder auf den heiligen Johannes Maria Vianney (Pfarrer von Ars). Nicht nur, weil er der Patron der Priester ist, sondern weil mich seine Art zu leben fasziniert; von tiefer Frömmigkeit geprägt, authentisch in dem, was er lebte und verkündete, und durch und durch Seelsorger, Priester für die Menschen. Wenn sich sicherlich auch die Schwerpunkte und Bedingungen der heutigen Seelsorge verändert haben (z.B. sich keine Scharen an Menschen mehr vor den Beichtstühlen tummeln), hat es nicht an Aktualität verloren, hinzuhören auf das, was die Menschen bewegt, sich Zeit zu nehmen und ein offenes Ohr zu haben, für sie da zu sein und dass das, was verkündet wird, auch gelebt wird.
Da ist der heilige Johannes Vorbild; aber nicht nur Er! Ich habe mein ganzes Leben immer wieder Menschen kennengelernt, die mich inspiriert haben durch ihre Art zu leben: Priester, Ordensleute, Eheleute und viele mehr. Menschen, die aus dem Glauben heraus lebten, ohne dabei völlig abgehoben zu sein und die den Glauben authentisch in der Welt bezeugten.

Welche Bibelstelle hat dich besonders beeinflusst?
Eine Bibelstelle, die mich schon eine ganze Weile begleitet, ist jene aus dem Buch des Propheten Jeremia, die da lautet: „Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so war es mir, als brenne in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinem Innern. Ich quälte mich, es auszuhalten und konnte nicht!“
Es gab natürlich immer wieder Anfragen an mein Vorhaben, Priester werden zu wollen, und bei nicht Wenigen stieß es auch auf Unverständnis. Manchmal kam dann die Aussage: „Mach doch einfach was Anderes!“
Aber das konnte und wollte ich nicht! Da war irgendetwas ganz Starkes in mir, das mich anzog, das mich zu diesem Weg, diesem Beruf hinzog und das auch durch alle bisherigen Phasen des Zweifelns, des Überlegens, ob nicht doch ein anderer Weg für mich der richtige wäre, doch immer wieder da war und ist! Es ist eine Art Anziehungskraft, die ich nicht erklären kann, welche ich aber mit jenem Feuer, von dem Jeremia spricht, identifiziere. Da ist eine Begeisterung für etwas, eine Leidenschaft für diesen Weg, die ich zwar versuchen kann zu umschreiben und bei der ich Motive nennen kann, wie es dazu gekommen sein mag, dass sie sich ausgeprägt hat. Ich kann auch Beispiele geben, was mich am priesterlichen Dienst fasziniert. Letztendlich fehlt da aber immer noch ein Punkt und das ist die von Gott gegebene Berufung, die nicht erklärt werden kann.
Es ist zwar nicht vollkommen identisch, aber dennoch lässt sich ein Vergleich mit dem Gefühl des Verliebtseins durchaus anfügen. Letztendlich kann ich auch nicht erklären, warum ich mich jetzt gerade in jene Frau verliebt habe und nicht in eine andere. Da brennt ein Feuer in einem und das ist es, was mich auf diesem Weg hält. Ein Weg, der schön ist, aber auch voller Überraschungen und Höhen und Tiefen, um es nicht Turbulenzen nennen zu müssen.