Weitere Berufungswege

Fabian Tilling

Kaplan in der Pfarrgemeinde Anna Katherina in Coesfeld, hat seine Ausbildung im Priesterseminar Münster absolviert und wurde Pfingsten 2011 zum Priester geweiht. Er erzählt, wie er seiner Berufung auf die Spur kam.

Als ich am Ende der elften Klasse war, probte der Kirchenchor Maria Magdalena in Geldern gerade Mendelssohns „Elias.“ Darin hörte ich die wunderbare Zusage Gottes: „So ihr mich von ganzem Herzen suchet, so will ich mich finden lassen.“ Dass dies zehn Jahre später mein Primizspruch werden sollte, hätte ich nicht geahnt. Wohl aber hat mich dieser Satz über die Jahre begleitet, ja, er hat mich ermutigt zu fragen und tiefer zu suchen.

Aber ich muss der Reihe nach anfangen: Mit dem Hineingeborenwerden in eine Familie, der das Leben aus dem Glauben und das Engagement in der Gemeinde wichtig ist, dem Hineingetauftwerden in eine Gemeinde mit vielen engagierten Christen und überzeugten Seelsorgern aus dem Franziskanerorden, mit dem Aufwachsen in einer Gesellschaft, die nicht mehr selbstverständlich kirchlich geprägt ist, fing mein Berufungsweg eigentlich schon an. Als Pfadfinder und Messdiener war ich in meiner Heimatgemeinde St. Mariä Empfängnis in Neviges engagiert, mein größtes Hobby aber war das Klavier- und Orgelspiel.

Vielleicht war da immer schon mal wieder zwischendurch der Gedanke aufgekommen, du könntest doch Priester werden, aber konkreter wurde es, als gegen Ende der elften Klasse ein Schulbetriebspraktikum für mich anstand. Musikalisch interessiert bewarb ich mich spontan bei einem Klavierbauer. Doch ich bekam – heute sage ich: glücklicherweise – eine Absage und kam ins Grübeln, was ich denn außer Musik noch gerne mache. Nach einiger Zeit des Überlegens wurde mir bewusst, dass ich doch relativ viel in meiner Heimatgemeinde tat. Ein Pfarrer vom Niederrhein, ein Freund meines Vaters, reagierte auf meine vorsichtige Anfrage hin "irgendetwas bei der Kirche" machen zu wollen sehr spontan und lud mich für die zehn Tage des Praktikums in sein Pfarrhaus in Geldern ein. Er wohnte dort mit zwei weiteren Priestern, die eine kleine Hausgemeinschaft bildeten. Das gemeinsame Gebet, das ihnen offensichtlich Kraft für den Pfarralltag gab, und die kleinen und größeren Erlebnisse des Tages, die wiederum ins Gebet mündeten, beeindruckten mich sehr. Auch gaben mir meine Praktikumspriester die Möglichkeit möglichst viele Facetten des beruflichen Lebens in der Pfarrei mitzuerleben.

Seitdem kam der Gedanke Priester zu werden immer wieder. Nach dem Abitur bin ich ins Borromaeum eingezogen, habe am Propädeutikum teilgenommen – es war erst ein Jahr zuvor eingeführt worden – verlebte zwei spannende Außensemester in Rom und durfte nach Abschluss des Studiums zwei Jahre als pastoraler Mitarbeiter, dann als Diakon in der Pfarrgemeinde Heilig Geist in Kalkar tätig sein. Pfingsten 2011 wurde ich mit neun Mitbrüdern im Paulusdom zum Priester geweiht.

Nun bin ich Kaplan in der Anna-Katharina-Gemeinde in Coesfeld und spüre, dass Gott mich – auch durch Anfragen und Zweifel – auf meinem bisherigen Weg geführt hat. Äußerlich merke ich das daran, dass der Priesterberuf mir Freude macht, innerlich an einer Dankbarkeit, dass ich Menschen kennenlernen durfte, die wie ich auf der Suche waren, dass ich in der geistlichen Begleitung, in der Schriftbetrachtung und im Gebet lernte, Gott in meinen alltäglichen Erfahrungen zu entdecken.

Was Gott dem Propheten Jeremia verheißen hat: „So ihr mich von ganzem Herzen suchet, so will ich mich finden lassen“ hat sich für mich mit Leben gefüllt.
Gott ermutigt zum „Suchen“ und „Mitsuchen“ - das kann an ganz unterschiedlichen Orten geschehen: Ein solcher Ort war für mich das Borromaeum.

Mai 2012